Endometriose und Adenomyose: Diagnose und Behandlung

Endometriose Basel: Abklärung und konservative Behandlung, Adenomyose – Frauenärztin
FMH Gynäkologie
Facharzttitel
SGGG
Mitglied
Kolposkopie-Diplom
Zertifiziert
DE · EN
Sprachen
Spalenvorstadt 3
4051 Basel
Bei der Endometriose wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter – häufig am Bauchfell, an den Eierstöcken (Endometriome, sogenannte «Schokoladenzysten»), an den Haltebändern oder tief infiltrierend im Bereich von Darm oder Blase. Dieses Gewebe reagiert auf den Zyklus, blutet mit ein und löst Entzündungen, Verwachsungen und Schmerzen aus.
Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen und wird oft jahrelang übersehen. Sie kann Regelschmerzen, chronische Unterbauchschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und einen unerfüllten Kinderwunsch verursachen – ist aber gut behandelbar.
Betroffen sind Frauen jeden Alters mit Zyklus. Sehr starke Regelschmerzen bereits ab der ersten Regel sollten frühzeitig abgeklärt werden.
Das Wichtigste
Auf einen Blick.
- Wir übernehmen Abklärung und konservative Behandlung. Operationen führen wir nicht durch – dafür überweisen wir an ein Endometriosezentrum.
- Wirksame Behandlung ist oft möglich, ohne dass zuerst operiert werden muss.
- Endometriose beginnt häufig schon im Jugendalter und wird oft jahrelang nicht erkannt.
- Neben der Endometriose kann eine Adenomyose vorliegen (Wachstum in die Muskelschicht der Gebärmutter).
- Ein spezialisierter Ultraschall erkennt viele – aber nicht alle – Endometrioseherde.
- Ein unauffälliger Ultraschall schliesst Endometriose nicht sicher aus.
- Ryeqo® ist in der Schweiz als zugelassene Zweitlinie bei vorbehandelten Frauen etabliert.
Ursachen
Hintergrund und Risikofaktoren.
Die genaue Ursache der Endometriose ist nicht abschliessend geklärt. Diskutiert werden retrograde Menstruation, immunologische und genetische Faktoren sowie hormonelle Einflüsse. Die häufigsten Ursachen der Schmerzen sind die Endometrioseherde selbst mit zyklischen Blutungen und Entzündungen, Verwachsungen, tief infiltrierende Herde im Bereich von Darm, Blase oder Haltebändern – sowie eine begleitende Adenomyose.
Adenomyose
Neben der Endometriose kann auch eine Adenomyose vorliegen. Dabei wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe in die Muskelschicht der Gebärmutter ein. Typisch sind starke und lange Menstruationsblutungen, starke Regelschmerzen, chronische Unterbauchschmerzen, ein Druckgefühl im Becken und gelegentlich ein unerfüllter Kinderwunsch. Eine Adenomyose lässt sich häufig bereits im spezialisierten gynäkologischen Ultraschall erkennen – ein Schwerpunkt unserer Praxis.
Risikofaktoren
- Familiäre Häufung (Mutter, Schwester)
- Früher Beginn der Regel
- Sehr starke oder lange Blutungen
- Kurze Zykluslängen
Häufigkeit
Endometriose betrifft schätzungsweise 1 von 10 Frauen im gebärfähigen Alter. Adenomyose ist ebenfalls häufig, besonders zwischen 35 und 50.
Symptome & Befunde
Wie zeigt es sich?
Typische Beschwerden
- Sehr starke Regelschmerzen, oft schon einige Tage vor der Periode
- Chronische Unterbauchschmerzen zyklusabhängig oder zyklusunabhängig
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
- Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen, vor allem während der Periode
- Starke und lange Menstruationsblutungen (auch typisch für Adenomyose)
- Müdigkeit, reduzierte Belastbarkeit
- Unerfüllter Kinderwunsch
Häufige Zufallsbefunde
- Beschwerden werden von Anfang an als «einfach starke Periode» normalisiert
- Zufallsbefund im Ultraschall (Endometriom der Eierstöcke)
Wann wird es entdeckt?
Regelschmerzen, die den Alltag einschränken, auf Ibuprofen nicht ausreichend ansprechen oder mit Schmerzen ausserhalb der Periode einhergehen, sollten abgeklärt werden. Auch bei Jugendlichen.
Diagnostik
So wird die Diagnose gestellt.
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch
Wann treten die Schmerzen auf, wie stark sind sie, gibt es Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder Wasserlassen, besteht ein Kinderwunsch, wie ist der Blutungsverlauf? Anschliessend folgt ein spezialisierter gynäkologischer Ultraschall – vaginal, bei Bedarf auch rektal –, mit dem sich Endometriome, tief infiltrierende Herde und eine Adenomyose oft gut darstellen lassen. Bei komplexen Befunden ergänzen wir ein MRT. Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) ist heute keine Voraussetzung mehr für eine wirksame Behandlung – sie kommt gezielt zum Einsatz, wenn Diagnose oder Therapie es erfordern.
Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch & Schmerzanamnese
- Spezialisierter transvaginaler Ultraschall
- Untersuchung, ggf. mit rektalem Ultraschall
- MRT bei tief infiltrierender Endometriose oder komplexen Befunden
- Laparoskopie gezielt bei klarer Indikation
Was bedeuten die Befunde?
Viele Endometriomherde und die Adenomyose sind im spezialisierten Ultraschall erkennbar; oberflächliche Peritonealherde bleiben jedoch oft unsichtbar. Ein unauffälliger Ultraschall schliesst eine Endometriose nicht sicher aus – bei typischen Beschwerden kann bereits behandelt werden.
Behandlung
Mögliches Vorgehen.
Beobachten
Die Behandlung richtet sich nach Ihren Beschwerden, dem Befund, Ihrem Alter und Ihrem Kinderwunsch. Ziel ist Schmerzreduktion, Erhalt der Lebensqualität und, wenn gewünscht, der Fruchtbarkeit. Viele Frauen kommen mit einer Kombination aus Schmerzmitteln und hormoneller Therapie gut zurecht – eine Operation ist nicht immer nötig.
Medikamente
Schmerzmittel
NSAR wie Ibuprofen, Mefenaminsäure oder Naproxen wirken gut auf Krämpfe und Entzündung; früh und ausreichend dosiert einnehmen.
Hormonelle Therapien (Erstlinie)
Die kombinierte Pille (auch im Langzyklus oder kontinuierlich), reine Gestagenpräparate (z. B. Dienogest) oder die Hormonspirale können Beschwerden deutlich lindern. Bei den Gestagenen bleibt der Östrogenspiegel im Bereich der frühen Follikelphase – ein günstiger Kompromiss zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit.
Ryeqo® (Relugolix-Kombination)
Ryeqo® ist eine Tablette, die einmal täglich eingenommen wird und drei Wirkstoffe kombiniert. Der Wirkstoff Relugolix dämpft die Hormonproduktion der Eierstöcke und versetzt den Körper vorübergehend in einen menopausenähnlichen Zustand. Damit typische Wechseljahresbeschwerden abgefedert werden und die Knochen geschützt bleiben, sind zwei niedrig dosierte Hormone (Estradiol und Norethisteronacetat) gleich in der Tablette enthalten. In der Schweiz ist Ryeqo® zur Behandlung Endometriose-bedingter Schmerzen zugelassen – für Frauen, die bereits medikamentös oder operativ behandelt wurden und bei denen eine reine Gestagentherapie nicht ausreichend wirkt oder nicht infrage kommt. In den Zulassungsstudien nahmen sowohl die Schmerzen während der Menstruation als auch die davon unabhängigen Unterbauchschmerzen deutlich ab. Weil Ryeqo® über längere Zeit eingenommen werden kann, behalten wir die Knochendichte im Blick und führen bei Bedarf eine Knochendichtemessung durch. Ob Ryeqo® für Sie infrage kommt, besprechen wir individuell.
Operation
Eine Laparoskopie kann sinnvoll sein, wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreicht, ein grösseres Endometriom vorliegt, tief infiltrierende Herde Beschwerden verursachen oder ein unerfüllter Kinderwunsch bei fortgeschrittenem Befund besteht. Ziel ist die möglichst vollständige, gewebeschonende Entfernung der Herde. In komplexen Fällen erfolgt die Operation im interdisziplinären Team.
Prävention
Was Sie selbst tun können.
- Sehr starke Regelschmerzen früh abklären lassen – auch bei Jugendlichen
- Ausreichend hoch dosierte NSAR früh im Zyklus einsetzen
- Bei bekannter Endometriose regelmässige Kontrollen wahrnehmen
- Bei Kinderwunsch: frühzeitig besprechen, keine Zeit verlieren
- Begleitende Beckenbodentherapie / Physiotherapie bei chronischen Schmerzen erwägen
Ergänzend
Ergänzende Behandlungsmöglichkeiten
Neben Schmerzmitteln und hormonellen Therapien interessieren sich viele Patientinnen für ergänzende Massnahmen. Die folgenden Ansätze sind nicht leitlinienbasiert; einzelne Studien sind vielversprechend, die Datenlage ist aber begrenzt. Sie ersetzen keine wirksame medizinische Behandlung, können sie aber ergänzen. Sprechen Sie mit uns, bevor Sie etwas beginnen.
Ernährung
Einige Studien deuten darauf hin, dass eine überwiegend pflanzenbasierte, entzündungshemmende Ernährung Beschwerden lindern kann. Viele Frauen berichten über eine Besserung durch weniger rotes Fleisch, weniger stark verarbeitete Lebensmittel, eine Reduktion von Milchprodukten sowie mehr Gemüse, Obst und Omega-3-Fettsäuren. Die wissenschaftliche Evidenz ist bislang jedoch begrenzt.
N-Acetylcystein (NAC)
NAC ist ein Antioxidans. Kleinere Studien zeigen, dass es Schmerzen lindern und das Wachstum von Endometrioseherden möglicherweise bremsen kann. Die Daten sind vielversprechend, reichen aber noch nicht aus, um NAC als Standardtherapie zu empfehlen.
GLP-1-Rezeptoragonisten
GLP-1-Medikamente (z. B. Semaglutid oder Tirzepatid) gehören nicht zur Standardbehandlung der Endometriose. Bei Patientinnen mit Übergewicht können sie durch die Gewichtsreduktion Entzündungsprozesse günstig beeinflussen und dadurch möglicherweise indirekt Beschwerden verbessern. Ob GLP-1-Medikamente einen direkten Effekt auf Endometriose oder Adenomyose haben, wird derzeit wissenschaftlich untersucht.
Ein Termin. Ein Hauptanliegen. Damit wir Ihnen fachlich sauber und in Ruhe begegnen können, behandeln wir pro Termin ein Hauptthema. Weitere Anliegen oder komplexe Zusatzfragen planen wir gerne in einem separaten Termin. Das erlaubt Sprechstunden ohne lange Wartezeiten – wir bitten Sie um Ihr Verständnis.
Häufige Fragen
FAQ.
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Fachlich verantwortlich.
Dr. med. Anna Margareta Wagner ist Fachärztin FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe mit eigener Praxis an der Spalenvorstadt 3 in Basel. Schwerpunkt operative Gynäkologie; weitere Schwerpunkte: gynäkologische Vorsorge, Kolposkopie und Dysplasiesprechstunde, Intimchirurgie, Schwangerschaftsbegleitung sowie Mädchen- und Jugendsprechstunde.
- Facharzttitel FMH Gynäkologie und Geburtshilfe
- Schwerpunkt operative Gynäkologie
- Mitglied SGGG
- Zertifiziertes Kolposkopie-Diplom
- Sprachen: Deutsch, Englisch
- Versorgungsgebiet: Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Nordwestschweiz
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Quellen
Wissenschaftliche Grundlagen.
Ihre Fragen – im geschützten Rahmen besprochen.
Jede Situation ist individuell. In der Sprechstunde nehmen wir uns Zeit, Ihre Befunde einzuordnen und gemeinsam den passenden nächsten Schritt zu finden.