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Blasenentzündung: Wann Antibiotika nötig sind

Dr. med. Anna Margareta Wagner
Medizinisch geprüft von Dr. med. Anna Margareta WagnerFachärztin FMH · Gynäkologie und Geburtshilfe · Basel

Blasenentzündung ohne Antibiotika? Harnwegsinfekt & Bakteriurie – Frauenärztin Basel

Fachlich geprüft am · Dr. med. Anna Margareta Wagner, FMH Gynäkologie und GeburtshilfeSpalenvorstadt 3 · 4051 Basel · +41 61 666 62 10
  • FMH Gynäkologie

    Facharzttitel

  • SGGG

    Mitglied

  • Kolposkopie-Diplom

    Zertifiziert

  • DE · EN

    Sprachen

  • Spalenvorstadt 3

    4051 Basel

Auf einen Blick

Eine Blasenentzündung (Zystitis) ist eine Entzündung der Harnblase mit Brennen beim Wasserlassen, häufigem Harndrang und Schmerzen über dem Schambein. Davon zu unterscheiden ist die asymptomatische Bakteriurie: Bakterien im Urin, aber keine Beschwerden. Das ist keine Krankheit und in vielen Lebensphasen schlicht normal.

Die Unterscheidung entscheidet über die Behandlung. Wird jede positive Urinprobe mit einem Antibiotikum beantwortet, entstehen Nebenwirkungen, Scheidenpilz und Resistenzen – ohne dass eine spätere Infektion verhindert würde.

Etwa jede zweite Frau erlebt mindestens einen Harnwegsinfekt. Besonders häufig sind Beschwerden in sexuell aktiven Jahren und nach der Menopause, wenn der Östrogenmangel die Schleimhaut verändert.

Das Wichtigste
  • Bakterien im Urin ohne Beschwerden werden ausserhalb der Schwangerschaft nicht behandelt.
  • Beim unkomplizierten Infekt ist ein abwartendes Vorgehen über 48 Stunden eine gleichwertige Option.
  • Sofort behandelt wird bei Fieber, Flankenschmerz, Schüttelfrost, Schwangerschaft oder Immunschwäche.
  • In der Schwangerschaft ohne Risikofaktoren wird nach aktueller SGGG-Empfehlung nicht mehr routinemässig auf eine asymptomatische Bakteriurie gescreent; mit Risikofaktoren wird gesucht und bei Keimnachweis behandelt.
  • Bei wiederkehrenden Infekten helfen Bakterienlysat, D-Mannose und – nach der Menopause – vaginales Östrogen.
  • Ein Urinstreifentest allein beweist keine Infektion; entscheidend sind Ihre Beschwerden.
Ursachen

In den meisten Fällen stammen die Bakterien (überwiegend Escherichia coli) aus dem eigenen Darm und gelangen über die kurze weibliche Harnröhre in die Blase. Geschlechtsverkehr, ein neuer Partner, Spermizide und Diaphragmen begünstigen das.

Nach der Menopause fehlt Östrogen

Die Scheidenflora verliert Laktobazillen, der pH steigt, und Darmkeime siedeln sich leichter an. Selten liegen Restharn, Senkung, Steine oder ein Diabetes zugrunde.

Risikofaktoren

  • Geschlechtsverkehr, neuer Partner
  • Frühere Harnwegsinfekte
  • Menopause und Östrogenmangel
  • Senkung mit Restharn
  • Diabetes mellitus
  • Spermizide, Diaphragma
  • Zu geringe Trinkmenge

Häufigkeit

Der Harnwegsinfekt gehört zu den häufigsten Gründen für eine Antibiotikaverordnung bei Frauen – und zu den häufigsten unnötigen.

Symptome & Befunde

Typische Beschwerden

  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
  • Häufiger Harndrang bei kleinen Mengen
  • Schmerzen oder Druck über dem Schambein
  • Trüber oder streng riechender Urin
  • Leichte Blutbeimengung im Urin

Häufige Zufallsbefunde

  • Bakterien im Urin ohne jede Beschwerde (asymptomatische Bakteriurie)
  • Nitrit- oder Leukozytennachweis im Streifentest ohne Symptome

Wann es dringend ist

Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerz, Übelkeit oder Erbrechen sprechen für eine Nierenbeckenentzündung – dann bitte gleich ärztlich abklären, ausserhalb der Sprechzeiten in einer Ambulanz oder einem Spital. Ebenfalls nicht abwarten sollten Schwangere, Frauen mit Immunschwäche oder Diabetes sowie Patientinnen mit Blasenkatheter.

Diagnostik

Bei typischen Beschwerden ohne Alarmzeichen ist die Diagnose klinisch: Das Gespräch reicht meist aus, ein Streifentest kann ergänzen. Eine Urinkultur brauchen wir nicht bei jedem Infekt, sondern bei wiederkehrenden Infekten, Therapieversagen, in der Schwangerschaft und bei kompliziertem Verlauf.

Wichtig

Ein positiver Streifentest ohne Beschwerden ist kein Behandlungsgrund. Bei wiederholten Infekten schauen wir zusätzlich mit Ultraschall nach Restharn, Senkung oder Steinen und beurteilen die Scheidenschleimhaut.

Untersuchungen

  • Gespräch und Beschwerdebild
  • Urinstreifentest (ergänzend)
  • Urinkultur bei Rezidiv, Schwangerschaft oder Therapieversagen
  • Ultraschall Nieren, Blase, Restharn bei wiederkehrenden Infekten
  • Beurteilung der Scheidenschleimhaut nach der Menopause

Was bedeuten die Befunde?

Bakterien im Urin sind ein Befund, kein Auftrag. Behandelt werden Beschwerden – sowie die beschwerdefreie Bakteriurie vor urologischen Eingriffen mit Schleimhautverletzung und in der Schwangerschaft mit Risikofaktoren (St. n. Frühgeburt, St. n. Spätabort, Diabetes mellitus, Immunsuppression, funktionelle oder strukturelle Störungen der Harnwege, St. n. Pyelonephritis). In der unauffälligen Schwangerschaft empfiehlt die SGGG mangels belegtem Nutzen kein routinemässiges Screening; andere Fachgesellschaften (z. B. IDSA 2019) interpretieren die Datenlage anders.

Behandlung

Beobachten

Nicht-antibiotisches Vorgehen über 48 Stunden

Bei unkompliziertem Infekt ohne Fieber können Sie zunächst mit Ibuprofen oder einem anderen entzündungshemmenden Schmerzmittel, ausreichender Trinkmenge und Wärme behandeln. Ein erheblicher Teil der Infekte heilt so von selbst aus.

Vereinbart wird dabei immer eine klare Grenze

Wenn es nach 48 Stunden nicht besser oder vorher deutlich schlechter wird, Fieber, Flankenschmerz oder Blut im Urin auftreten, wird auf ein Antibiotikum gewechselt.

Medikamente

Ist ein Antibiotikum nötig, wird kurz und gezielt behandelt (in der Regel Nitrofurantoin oder Fosfomycin, in der Schwangerschaft nach Kultur und Trimenon angepasst). Bei wiederkehrenden Infekten stehen Vorbeugemassnahmen im Vordergrund: orales Bakterienlysat als Immunprophylaxe, D-Mannose, ausreichend trinken, Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr und der Verzicht auf Spermizide.

Operation

Nach der Menopause ist die vaginale Östrogenisierung die wirksamste Einzelmassnahme gegen wiederkehrende Infekte: niedrig dosiertes Östrogen lokal baut die Schleimhaut und die Laktobazillenflora wieder auf. Die Wirkung ist lokal, die systemische Aufnahme minimal. Eine urologische Abklärung ist sinnvoll bei Steinen, Restharn, Blut im Urin ausserhalb des Infekts oder bei sehr häufigen Rezidiven.

Prävention
  • Ausreichend trinken, Blase regelmässig entleeren
  • Nach dem Geschlechtsverkehr Wasser lassen
  • Auf Spermizide und Diaphragma verzichten, wenn Infekte gehäuft auftreten
  • Keine Intimwaschlotionen oder Scheidenspülungen
  • Nach der Menopause vaginales Östrogen besprechen
  • Bei mehr als drei Infekten pro Jahr Prophylaxe planen statt jedes Mal Antibiotika
Fokussierte Sprechstunde

Ein Termin. Ein Hauptanliegen. Damit wir Ihnen fachlich sauber und in Ruhe begegnen können, behandeln wir pro Termin ein Hauptthema. Weitere Anliegen oder komplexe Zusatzfragen planen wir gerne in einem separaten Termin. Das erlaubt Sprechstunden ohne lange Wartezeiten – wir bitten Sie um Ihr Verständnis.

Häufige Fragen

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Über die Autorin

Fachlich verantwortlich.

Dr. med. Anna Margareta Wagner ist Fachärztin FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe mit eigener Praxis an der Spalenvorstadt 3 in Basel. Schwerpunkt operative Gynäkologie; weitere Schwerpunkte: gynäkologische Vorsorge, Kolposkopie und Dysplasiesprechstunde, Intimchirurgie, Schwangerschaftsbegleitung sowie Mädchen- und Jugendsprechstunde.

  • Facharzttitel FMH Gynäkologie und Geburtshilfe
  • Schwerpunkt operative Gynäkologie
  • Mitglied SGGG
  • Zertifiziertes Kolposkopie-Diplom
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Versorgungsgebiet: Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Nordwestschweiz

Die Inhalte dieser Seite werden regelmässig anhand aktueller fachmedizinischer Empfehlungen überprüft.

Quellen
Persönliches Gespräch

Ihre Fragen – im geschützten Rahmen besprochen.

Jede Situation ist individuell. In der Sprechstunde nehmen wir uns Zeit, Ihre Befunde einzuordnen und gemeinsam den passenden nächsten Schritt zu finden.

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei medizinischen Beschwerden konsultieren Sie bitte eine Fachärztin oder einen Facharzt.

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